
Breker ist nicht gleich BrekerManche Rezensenten haben es gemerkt: Als Gestalter des genialen Festivalplakats mit den Vögelchen wurde in der ersten Auflage des Bear-Family-Begleitbuchs versehentlich A r n o Breker ausgewiesen, der als prominentester Bildhauer des Dritten Reiches zu den künstlerischen und ideologischen Vorkämpfern der Nazidiktatur gerechnet wird. Seine Audrucksform wurde als „gestaltete Gesinnung, formgewordene Weltanschauung" (Wikipedia) gepriesen. Wie sollte das mit mit dem aufmüpfigen, jugendlichen Geist der Festivals zusammenpassen? Es konnte nicht sein und war auch nicht so: Weder Arno noch sein Bruder Hans, ebenfalls Bildhauer, hatten jemals mit der Burg Waldeck zu tun. Das Plakat stammt von W a l t e r Breker, der mit den beiden anderen Brekers weder familiär noch geistig verwandt war. Walter Brekers graphische Schöpfung gefiel so gut, dass das Vögelchen seitdem als Logo der ABW-Waldeck auf allen Briefbögen und Publikationen prangt und vor kurzem auch markenrechtlich angemeldet und geschützt wurde. Auch die neue CD-Edition von Bear Family transportiert -zigfach den fröhlichen Vogel in die Lande. Stephan Rögner hat den Nachlass des Vögelchen-Schöpfers im Klingspor-Museum für internationale Buch- und Schriftkunst in Offenbach gesichtet und Kontakt zur Familie aufgenommen. Danach ist über den Mann, der eines der wichtigsten Symbole der Waldeck geschaffen hat, festzuhalten: Geboren am 12. 4. 1904 als Sohn eines Werkzeugmachers in Bielefeld, starb Walter Breker am Erich Wenzel, Vorsitzender der ABW von 1953 - 1963, war damals in Düsseldorf für den Deutschen Werkbund tätig und gab das ABW-Mitteilungsblatt Baybachbote heraus. Breker hat das Vögelchenmotiv offenbar häufiger verwendet, auch für ein ganzes Vögelchen-Alphabet, gefiederte Buchstaben, mit denen er in die nüchterne Schriftgraphik einen Touch in Richtung Phantasie, Leichtigkeit und Humor einbrachte. Breker erhielt zahlreiche nationale und internationale Preise, konnte seine Arbeiten auf Ausstellungen im In- und Ausland präsentieren, veröffentlichte Fachaufsätze, gestaltete Bücher und Kataloge. Er war also in seinem Metier kein Unbekannter. Die zweifelhafte Bekanntheit seines Namensvetters Arno erreichte er nicht. Die Waldeck kann also ihr Logo guten Gewissens beibehalten und das historische Plakat weiter ausstellen.
![]() Walter Breker
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